Unsere Einordnung zu Amazon KDP: Veröffentlichen ist kostenlos und für Taschenbuch und E-Book unkompliziert, viele Bücher verkaufen sich aber kaum. Öffentliche Erfahrungen loben den einfachen Einstieg und kritisieren Support, Kontosperren und Sichtbarkeit. Das ist eine Recherche aus Amazon-Angaben und Bewertungen, kein eigener Test. Geld verdienen ist möglich, aber nicht planbar.

Hinweis: Mit * markierte Links sind Werbelinks: Kaufst du darüber, erhalten wir eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht. Dieser Beitrag ist keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Was Amazon KDP ist und was es kostet

Kindle Direct Publishing, kurz KDP, ist Amazons Plattform für Selfpublishing. Du lädst Manuskript und Cover hoch und veröffentlichst dein Buch als E-Book, Taschenbuch oder gebundene Ausgabe. Amazon druckt erst bei Bestellung (Print on Demand). Laut KDP ist die Nutzung kostenlos, Vorabkosten oder Lagergebühren fallen für gedruckte Bücher nicht an.

Kostenlos heißt aber nicht ohne Kosten. Wer ein Buch ernsthaft verkaufen will, zahlt je nach Projekt für Lektorat, Cover, Illustrationen, Tools und Amazon Ads. Ohne Budget ersetzt du das mit eigener Zeit. Eine ISBN ist für den Verkauf nur auf Amazon laut einer Kursanbieterin optional, für den Buchhandel aber nötig.

Bücher veröffentlichen mit Kindle Direct Publishing: der Ablauf

  1. Konto anlegen sowie Steuer- und Bankdaten hinterlegen.
  2. Buch erstellen: Manuskript und Cover als Datei vorbereiten, die zu Format und Seitenzahl passt.
  3. Titel, Beschreibung, Kategorien und Keywords eintragen.
  4. Listenpreis festlegen, innerhalb des von KDP vorgegebenen Rahmens.
  5. Veröffentlichen und die Vorschau prüfen.

Technisch ist das auch für Anfänger machbar. Die Arbeit steckt im Inhalt und im Marketing, nicht im Upload.

Tantiemen: So viel bleibt pro Verkauf

FormatTantieme laut KDPDavon geht ab
E-Book, 35 %35 % des Listenpreises ohne Umsatzsteuernichts weiter
E-Book, 70 %70 % in bestimmten Ländern, sonst 35 %Lieferkosten, im Schnitt rund 0,06 € je Einheit
Taschenbuch ab 9,99 € auf Amazon.de60 %Druckkosten
Taschenbuch bis 9,98 € auf Amazon.de50 %Druckkosten
Erweiterter Vertrieb40 %Druckkosten

Die Druckkosten für Amazon.de nennt KDP so: Schwarzdruck im normalen Format kostet bei 24 bis 110 Seiten 2,05 € pro Buch, darüber 0,75 € plus 0,012 € je Seite. Premiumfarbe kostet bei 24 bis 40 Seiten 2,85 €, ab 42 Seiten 0,75 € plus 0,0525 € je Seite.

Rechenbeispiel nach der KDP-Formel: Ein Taschenbuch mit 120 Seiten in Schwarzdruck hat Druckkosten von 0,75 € + (120 × 0,012 €) = 2,19 €. Bei einem Listenpreis von 9,99 € ohne Umsatzsteuer bleiben (0,60 × 9,99 €) minus 2,19 € = 3,80 €. Das ist die Tantieme, noch nicht der Gewinn. Werbung, Tools, Steuern und deine Arbeitszeit gehen davon noch ab. Bei Kindle+ bekommst du über KDP Select außerdem einen Anteil am monatlichen Fonds, abhängig von den gelesenen Seiten.

Amazon KDP Erfahrungen: Was öffentliche Bewertungen zeigen

Dieser Abschnitt ist kein Erfahrungsbericht aus eigener Hand, die Punkte stammen aus öffentlich auffindbaren Quellen. Auf Trustpilot kommt das KDP-Profil auf einen sehr schwachen Wert von rund 1,3 bis 1,5 von 5 bei 586 Bewertungen, 88 % davon mit einem Stern. Das Profil wird vom Unternehmen nicht betreut, und solche Portale ziehen eher Verärgerte an. Es ist also ein Stimmungsbild und keine repräsentative Umfrage unter Autoren. Häufig genannte Themen sind:

  • Kritik: gesperrte Konten ohne klare Begründung, Support mit Standardantworten, verzögerte oder einbehaltene Tantiemen, Probleme beim Upload, wenig Sichtbarkeit, gefälschte Rezensionen und teure Ads
  • Lob: einfacher Start, niedrige Kosten, Transparenz, pünktliche Zahlungen und ein brauchbarer Weg für ein Nebenprojekt

Das Risiko einer Kontosperre ist real. Onlinehändler-News berichtet vom Fall einer Selfpublisherin, deren Konto im Mai 2026 ohne Vorwarnung gesperrt wurde, ohne Nennung eines konkreten Titels oder einer Regel. Das Landgericht Düsseldorf untersagte Amazon die Sperre in dieser Form per einstweiliger Verfügung (30. Juni 2026, Az. 36 O 77/26 [Kart]). Das Gericht sah Amazon als marktbeherrschend. Das ist eine deutsche Eilentscheidung zu einem Einzelfall. Sie zeigt aber, wie stark deine Einnahmen an einem einzigen Konto hängen können.

Kann man mit Amazon KDP Geld verdienen? Sichtbarkeit entscheidet

Ja, aber die Spanne ist groß. Für Österreich haben wir keine Einkommensstatistik gefunden. Einen Anhaltspunkt liefert eine englischsprachige Umfrage der Alliance of Independent Authors: Bei rund 2.200 Befragten lag der Median 2022 bei 12.749 US-Dollar im Jahr, der Durchschnitt bei rund 82.600 Dollar. Der große Abstand zeigt, wie sehr wenige Spitzenwerte das Bild verzerren. Die Befragten sind zudem engagierte Selfpublisher und keine Zufallsauswahl, und die Zahl gilt weder für den deutschsprachigen Markt noch für Anfänger mit einem ersten Buch.

Sichtbarkeit ist die eigentliche Hürde. Du brauchst eine Nische, ein gutes Cover, ehrliche Kundenrezensionen und oft Amazon Ads, damit dein erstes Buch überhaupt gefunden wird. Jede Rezension hilft, aber sie lässt sich nicht erzwingen. Inhalte, die gegen die Richtlinien verstoßen, weist Amazon zurück oder entfernt sie. Einen sicheren Verkauf gibt es nicht. Langfristig funktioniert KDP eher als Sprungbrett für Autoren mit mehreren Büchern als für einen einzelnen Titel.

Low-Content-Bücher: Was dahintersteckt

Low-Content-Bücher sind Bücher mit wenig eigenem Text, etwa Tagebücher, Journale, Checklisten, Malbücher oder Rätselhefte. Sie gelten als einfacher Einstieg, weil kein Manuskript nötig ist. Genau das ist auch der Nachteil: Der Markt ist voll, und laut den KDP-Richtlinien sind Inhalte nicht zugelassen, die für Kunden in der Regel enttäuschend sind.

Zum Thema gibt es zwei bekannte Kurse. Beide sind Werbeangebote, getestet haben wir sie nicht:

KursUmfang laut AnbieterPreis laut AnbieterWerbeaussage
Low Content Revolution* von Nomad Publishing11 Module, über 21 Stunden Video997 € einmalig oder 6 × 179 € inkl. MwSt.„mehrere 100€ pro Monat“ je Projekt
Low Content Studio* von JyotiMa Flak4 Module, 18 Videos197 € zzgl. MwSt., auch in 3 Raten100 Verkäufe zu 6 € als Rechenbeispiel

Solche Beträge sind unbelegte Werbeaussagen und keine Zusage für dein Ergebnis. Die Seite der Low Content Revolution nennt außerdem Boni mit Einzelwerten und ein Einkommen der Mentoren, das sich von außen nicht prüfen lässt. Zu Garantie oder Rücktritt haben wir auf dieser Seite keine Angabe gefunden, das solltest du vor dem Kauf klären. Beim Low Content Studio kommen je nach Vorgehen Kosten dazu: Die Anbieterin nennt etwa Midjourney mit 10 US-Dollar im Monat und Amazon-Werbung mit rund 3 bis 30 € pro Tag. Vergleiche diese Kosten mit der Tantieme aus dem Rechenbeispiel oben, bevor du startest. Ein Kurs ist keine Voraussetzung, die KDP-Hilfe ist kostenlos.

KI-Bücher: Was du angeben musst

KDP unterscheidet zwischen KI-generierten und KI-assistierten Inhalten. KI-generierte Texte, Bilder oder Übersetzungen musst du bei der Veröffentlichung angeben, auch wenn du sie danach stark bearbeitet hast. Das gilt auch für Cover. KI-assistierte Inhalte, die du selbst erstellt und mit Tools nur verbessert hast, musst du nicht angeben. Für die Einhaltung aller Richtlinien und für Rechte Dritter bist du selbst verantwortlich. Mehr dazu unter Mit KI Geld verdienen.

Gewerbe und Steuern in Österreich

  • Gewerbe oder Neue Selbständige: Das hängt von deiner Tätigkeit ab, etwa ob du selbst schreibst oder ein Verlagsgeschäft aufbaust. Klär das vorab mit dem Gründerservice deiner Landeskammer.
  • Einkommensteuer: Tantiemen sind steuerpflichtig. Der Tarif beginnt 2026 nach 13.539 € mit 20 %. Neben dem Job wird bei übrigen Einkünften über 730 € und einem Gesamteinkommen über 14.769 € eine Steuererklärung fällig.
  • Sozialversicherung: Für Neue Selbständige liegt die Versicherungsgrenze 2026 bei 6.613,20 € im Jahr.
  • US-Quellensteuer: Für E-Book-Verkäufe auf Amazon.com, .co.jp, .com.au und .ca nennt KDP einen Einbehalt von 30 %, auch für Zahlungen aus dem KDP-Select-Fonds. Ein Doppelbesteuerungsabkommen kann ihn senken, dafür musst du dein Steuerprofil korrekt ausfüllen. Den Satz prüfst du dort selbst. Läuft das W-8-Formular ab, gelten wieder 30 %.

Eine Hilfe zum Einstieg bietet der Beitrag Rechtsformen für Unternehmen.

Dein erstes Buch: So gehst du es sinnvoll an

Die Erfahrungen vieler Selfpublisher zeigen: Das erste Buch ist vor allem Lehrgeld. Plane es deshalb als Test mit überschaubarem Einsatz. Prüfe vorab auf Amazon, ob ähnliche Titel gekauft werden, und lies deren Kundenrezensionen. Dort stehen die Lücken, die dein Buch schließen kann.

Erstelle zuerst das E-Book oder Taschenbuch, bevor du weitere Formate wie Hardcover angehst. Tools wie Canva oder ChatGPT können beim Cover oder beim Lektorat helfen, ersetzen aber keine Sorgfalt, und KI-generierte Teile musst du angeben. Lade PDF und Cover erst hoch, wenn Seitenzahl und Format feststehen, und prüfe danach die Vorschau genau. Rechne damit, dass der Algorithmus neue Bücher nicht von selbst nach vorne bringt.

Für wen sich KDP lohnt

Sinnvoll ist KDP, wenn du ein Buch mit echtem Nutzen hast, Sachwissen als Autor bekannt machen willst oder ein Nebenprojekt ohne Vorabkosten suchst. Auch für Unternehmer kann ein Fachbuch ein Marketinginstrument sein.

Weniger sinnvoll ist es, wenn du schnelles Einkommen erwartest oder Bücher in Masse hochladen willst. Wer auf passives Einkommen hofft, sollte unseren Realitätscheck zum passiven Einkommen lesen.

Häufige Fragen

Ist Amazon KDP kostenlos?

Ja, die Nutzung ist laut KDP kostenlos. Die Druckkosten werden bei gedruckten Büchern von der Tantieme abgezogen.

Wie viel verdient man bei Amazon KDP?

Das hängt von Preis, Format und Verkäufen ab. Für einen festen Wert fehlt jede Grundlage, viele Bücher verkaufen sich nur selten.

Brauche ich ein Gewerbe für Amazon KDP?

Das hängt von der Tätigkeit ab. In Österreich klärt das Gründerservice, ob du ein Gewerbe brauchst oder als Neuer Selbständiger giltst.

Was muss man bei Amazon KDP beachten?

Urheberrechte, ehrliche Beschreibungen, die Angabe von KI-Inhalten und die Steuerdaten. Halte deine Kontodaten aktuell und vermeide alles, was gegen die Inhaltsrichtlinien verstößt.

Lohnen sich Low-Content-Bücher noch?

Nur mit Nische und Qualität. Einfach gemachte Massenware geht im Angebot unter und kann gegen die Richtlinien verstoßen.

Fazit

Amazon KDP ist ein günstiger, einfacher Weg, ein Buch zu veröffentlichen, und zugleich ein Kanal mit harter Konkurrenz und einseitiger Abhängigkeit von einem Konzern. Wer es als langfristiges Projekt sieht und mit eigenen Inhalten arbeitet, geht ein überschaubares Risiko ein. Kursversprechen mit festen Beträgen solltest du nachrechnen, bevor du zahlst.

Quellen